Wenn in einer großen Wohnanlage zahlreiche Stellplätze mit Ladepunkten für Elektrofahrzeuge ausgestattet werden sollen, stellt sich eine zentrale technische Frage: Wie viel elektrische Leistung muss tatsächlich zur Verfügung stehen, damit die angeschlossenen Fahrzeuge zuverlässig geladen werden können? Gerade bei Mehrfamilienhäusern mit großen Tiefgaragen, mehreren Gebäudeteilen und einer hohen Anzahl an Stellplätzen ist es wichtig, die Ladeinfrastruktur nicht ausschließlich anhand der installierten Wallboxen zu dimensionieren. Entscheidend ist vielmehr, wie die Ladepunkte genutzt werden, welche Leistung sie gleichzeitig abrufen können und wie sich dieser Bedarf mit dem übrigen Stromverbrauch der Immobilie vereinbaren lässt.
Der Gleichzeitigkeitsfaktor Elektromobilität ist in diesem Zusammenhang eine wichtige Planungsgröße. Er beschreibt vereinfacht das Verhältnis zwischen der gleichzeitig auftretenden elektrischen Höchstlast mehrerer Ladepunkte und der Summe ihrer jeweiligen maximalen Leistungen. Damit lässt sich einordnen, wie stark sich der Leistungsbedarf einer Gruppe von Ladepunkten zeitlich überschneidet. Die theoretische Gesamtleistung aller installierten Wallboxen entspricht nämlich nicht zwangsläufig der Leistung, die im laufenden Betrieb tatsächlich gleichzeitig abgerufen wird.
Für Eigentümer, Hausverwaltungen, Wohnungseigentümergemeinschaften und Wohnungsunternehmen ist dieser Zusammenhang besonders relevant, wenn eine größere Ladeinfrastruktur neu aufgebaut oder schrittweise erweitert werden soll. Eine Anlage mit vielen Ladepunkten benötigt eine sorgfältige technische Planung, muss aber nicht automatisch so betrieben werden, dass jeder Ladepunkt jederzeit seine maximale Leistung abrufen kann. Durch eine geeignete Dimensionierung und ein intelligentes Lastmanagement lässt sich die verfügbare elektrische Leistung bedarfsgerecht verteilen.
Dabei darf der Gleichzeitigkeitsfaktor nicht als pauschale Möglichkeit verstanden werden, die benötigte Anschlussleistung beliebig zu reduzieren. Welche Leistung tatsächlich erforderlich ist, hängt unter anderem vom Ladeverhalten der Nutzer, den technischen Eigenschaften der Ladepunkte, der vorhandenen Elektroinstallation und den Anforderungen des Gebäudes ab. Eine belastbare Planung muss diese Faktoren gemeinsam betrachten.
WallboxNow unterstützt die Entwicklung von Ladeinfrastrukturkonzepten für große Wohnimmobilien, bei denen zahlreiche Stellplätze erschlossen und technische Voraussetzungen für den langfristigen Betrieb geschaffen werden sollen. Die Bewertung der elektrischen Anschlussleistung, die Planung der Ladepunkte, die Berücksichtigung eines geeigneten Lastmanagements und die Prüfung möglicher Fördermöglichkeiten können dabei wichtige Bestandteile des Gesamtprojekts sein. Ziel ist eine Ladeinfrastruktur, die den tatsächlichen Anforderungen der Immobilie entspricht und sich bei wachsendem Bedarf sinnvoll erweitern lässt.
Was ist der Gleichzeitigkeitsfaktor bei Ladeinfrastruktur?
Der Gleichzeitigkeitsfaktor beschreibt, welcher Anteil der summierten maximalen elektrischen Leistung mehrerer Verbraucher zu einem bestimmten Zeitpunkt gleichzeitig benötigt wird. Bei der Elektromobilität bezieht sich diese Betrachtung auf eine Gruppe von Ladepunkten, die an einer gemeinsamen elektrischen Infrastruktur betrieben werden. Je nachdem, wie die Fahrzeuge angeschlossen sind, welche Ladezustände vorliegen und wie die Ladeleistung gesteuert wird, kann sich die gleichzeitig auftretende Last deutlich von der theoretischen Summe aller maximalen Ladeleistungen unterscheiden.
Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang. Werden zehn Ladepunkte mit jeweils elf Kilowatt maximaler Ladeleistung installiert, ergibt sich eine theoretische Gesamtleistung von 110 Kilowatt. Diese Zahl beschreibt zunächst die Summe der maximalen Leistungen der zehn Ladepunkte. Sie sagt noch nicht aus, ob alle zehn Fahrzeuge zu jedem Zeitpunkt tatsächlich jeweils elf Kilowatt abrufen werden.
Wenn beispielsweise mehrere Fahrzeuge bereits einen hohen Ladezustand erreicht haben, ihre Ladeleistung aus technischen Gründen reduzieren oder zeitweise gar keine Energie aufnehmen, fällt die tatsächlich auftretende Gesamtlast geringer aus. Laden dagegen viele Fahrzeuge gleichzeitig mit einer hohen Leistung, kann die Last deutlich näher an der theoretischen Gesamtleistung liegen. Welche Situation zu erwarten ist, hängt von den Nutzungsbedingungen und den technischen Rahmenbedingungen ab.
Der Gleichzeitigkeitsfaktor wird üblicherweise als Verhältnis zwischen der gleichzeitig auftretenden maximalen Leistung der betrachteten Verbrauchergruppe und der Summe ihrer maximalen Einzelleistungen ausgedrückt. Ein Faktor von 1 bedeutet in diesem vereinfachten Modell, dass die betrachtete Gruppe ihre gesamte summierte maximale Leistung gleichzeitig abruft. Ein niedrigerer Faktor weist darauf hin, dass die gleichzeitig auftretende Leistung unter dieser Summe liegt.
Wichtig ist, dass der Faktor nur dann aussagekräftig ist, wenn die zugrunde liegenden Annahmen klar sind. Es muss beispielsweise feststehen, welche Ladepunkte zur betrachteten Gruppe gehören, welcher Zeitraum untersucht wird und ob die tatsächliche Last ohne Steuerung oder unter den Bedingungen eines geregelten Ladesystems bewertet wird.
Gerade bei größeren Ladeprojekten ist diese Unterscheidung wesentlich. Ein Gleichzeitigkeitsfaktor, der auf beobachtetem Nutzerverhalten beruht, ist nicht automatisch mit einem technisch garantierten Grenzwert gleichzusetzen. Ebenso lässt sich ein Wert aus einer kleinen Ladeanlage nicht ohne Weiteres auf eine große Tiefgarage übertragen.
Bei der Planung einer Ladeinfrastruktur dient der Gleichzeitigkeitsfaktor deshalb als Hilfsmittel, um den möglichen Leistungsbedarf einzuordnen. Er ersetzt weder die elektrische Bemessung noch die Prüfung der Anschlusskapazität oder die fachliche Bewertung der vorhandenen Anlage. Vielmehr ist er eine von mehreren Größen, die gemeinsam zu einem belastbaren Ladeinfrastrukturkonzept führen.
Warum nicht jeder Ladepunkt dauerhaft maximale Leistung benötigt
Die maximale Ladeleistung einer Wallbox beschreibt, welche Leistung sie unter geeigneten technischen Bedingungen bereitstellen kann. Daraus folgt jedoch nicht, dass jedes angeschlossene Elektrofahrzeug diese Leistung während des gesamten Ladevorgangs abnimmt. Das tatsächliche Ladeverhalten wird durch mehrere Faktoren beeinflusst, die bei der Planung großer Ladeanlagen berücksichtigt werden sollten.
Ein wesentlicher Faktor ist der Ladezustand der Fahrzeugbatterie. Ein Fahrzeug, dessen Batterie bereits weitgehend geladen ist, benötigt in vielen Fällen weniger zusätzliche Energie als ein Fahrzeug mit niedrigem Ladezustand. Je nach Fahrzeugmodell und Batteriemanagement kann sich außerdem die Ladeleistung im Verlauf des Ladevorgangs verändern. Die tatsächlich aufgenommene Leistung hängt somit nicht allein von der Wallbox ab, sondern auch vom Fahrzeug und dessen aktuellem Ladebedarf.
Darüber hinaus können die Fahrzeuge selbst die maximal mögliche Ladeleistung begrenzen. Ein Ladepunkt mit elf Kilowatt stellt nicht automatisch sicher, dass jedes angeschlossene Fahrzeug dauerhaft elf Kilowatt aufnimmt. Die Leistung kann beispielsweise durch das fahrzeugseitige Ladegerät, die verfügbare Phasenanzahl, die Batteriesituation oder andere technische Bedingungen eingeschränkt sein.
Auch die zeitliche Nutzung spielt eine wichtige Rolle. In einer Wohnanlage werden viele Fahrzeuge nach der Rückkehr von der Arbeit am Abend angeschlossen und bleiben über Nacht am Stellplatz. Obwohl sich die Anschlusszeiten stark überschneiden können, müssen nicht alle Fahrzeuge während der gesamten Nacht mit maximaler Leistung laden. Wenn die Fahrzeuge über mehrere Stunden angeschlossen bleiben, kann die benötigte Energiemenge häufig innerhalb eines größeren Zeitfensters bereitgestellt werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass der Strombedarf beliebig verschoben werden kann. Einige Bewohner benötigen ihr Fahrzeug bereits früh am Morgen mit einem bestimmten Ladezustand. Andere Fahrzeuge werden möglicherweise tagsüber genutzt und stehen nur für kurze Zeit zum Laden zur Verfügung. Die Planung muss deshalb sowohl die verfügbare Zeit als auch den tatsächlichen Energiebedarf berücksichtigen.
Für die technische Dimensionierung ergibt sich daraus ein wichtiger Unterschied zwischen der installierten Leistung und der erwarteten Betriebslast. Die installierte Leistung beschreibt, welche maximale Leistung die vorhandenen Ladepunkte grundsätzlich bereitstellen können. Die Betriebslast hängt dagegen davon ab, wie viele Fahrzeuge tatsächlich laden, welche Leistung sie abrufen und wie die Ladeprozesse zeitlich zusammenfallen.
Bei einer großen Wohnanlage mit vielen Stellplätzen kann dieser Unterschied erheblich sein. Dennoch wäre es nicht sachgerecht, allein aus dem typischen Verhalten von Bewohnern auf einen dauerhaft niedrigen Leistungsbedarf zu schließen. Auch seltene, aber technisch relevante Betriebssituationen müssen berücksichtigt werden. Eine sorgfältige Planung prüft daher, welche Last ohne Steuerung entstehen könnte und welche Last durch eine geeignete technische Regelung begrenzt werden kann.
Der Gleichzeitigkeitsfaktor hilft dabei, diese Zusammenhänge zu strukturieren. Seine Anwendung muss jedoch zum tatsächlichen Nutzungsprofil und zum gewählten technischen Konzept passen. Erst dann kann er sinnvoll zur Bewertung der elektrischen Anschlussleistung beitragen.
Wie wird der Gleichzeitigkeitsfaktor bei Ladeprojekten berücksichtigt?
Bei einem Ladeprojekt beginnt die Berücksichtigung des Gleichzeitigkeitsfaktors mit einer Bestandsaufnahme der geplanten oder bereits vorhandenen Ladepunkte. Dazu gehören die Anzahl der Ladepunkte, ihre jeweiligen maximalen Leistungen, die elektrische Verschaltung und die Frage, ob die Anlage unabhängig voneinander betrieben oder durch ein Lastmanagement gesteuert werden soll.
Anschließend wird der erwartete Leistungsbedarf betrachtet. Dabei können das typische Ladeverhalten der Bewohner, die verfügbaren Standzeiten, die tägliche Energiemenge und die Verteilung der Ladevorgänge über den Tag eine Rolle spielen. Je besser die tatsächlichen Nutzungsbedingungen bekannt sind, desto fundierter lassen sich mögliche Lastverläufe bewerten.
Bei bestehenden Anlagen können Messdaten wertvolle Informationen liefern. Sie zeigen beispielsweise, wann die höchste Gesamtlast auftritt, wie häufig viele Fahrzeuge gleichzeitig laden und wie stark die tatsächliche Leistung von der installierten Gesamtleistung abweicht. Solche Daten sollten über einen ausreichend repräsentativen Zeitraum betrachtet werden, damit besondere Tage oder einzelne ungewöhnliche Ladevorgänge das Ergebnis nicht unverhältnismäßig beeinflussen.
Bei neuen Projekten liegen solche Messdaten häufig noch nicht vor. In diesem Fall müssen Planer mit nachvollziehbaren Annahmen, geeigneten Bemessungsgrundlagen und realistischen Nutzungsszenarien arbeiten. Dabei kann es sinnvoll sein, verschiedene Szenarien miteinander zu vergleichen. Ein Szenario könnte eine moderate Nutzung der Ladepunkte abbilden, ein weiteres eine hohe gleichzeitige Nachfrage. Zusätzlich sollte geprüft werden, wie sich unterschiedliche Ausbauphasen auf den Leistungsbedarf auswirken.
Ein entscheidender Unterschied besteht zwischen einer Prognose und einer technisch gesicherten Leistungsbegrenzung. Eine Prognose beschreibt, welche Last aufgrund bestimmter Annahmen wahrscheinlich ist. Eine technische Begrenzung stellt dagegen sicher, dass die Leistung innerhalb eines festgelegten Rahmens bleibt, sofern die Regelung ordnungsgemäß funktioniert und die entsprechenden Systemgrenzen eingehalten werden.
Wenn die Anschlussleistung einer Immobilie nicht ausreicht, um die theoretische Gesamtleistung aller Ladepunkte gleichzeitig bereitzustellen, kann ein geeignetes Lastmanagement eine wesentliche Rolle spielen. Es verteilt die verfügbare Leistung innerhalb definierter Grenzen und berücksichtigt dabei die Anforderungen des Ladesystems. Die technische Auslegung muss sicherstellen, dass die vereinbarte Leistungsgrenze nicht überschritten wird und die Ladeprozesse innerhalb der vorgesehenen Betriebsbedingungen bleiben.
Dabei müssen auch die übrigen Verbraucher des Gebäudes berücksichtigt werden. Die für das Laden verfügbare Leistung ist nicht zwangsläufig identisch mit der gesamten Anschlussleistung. Wohnungsstrom, Aufzüge, Beleuchtung, Pumpen und andere technische Einrichtungen benötigen ebenfalls elektrische Leistung. Eine Planung, die ausschließlich die Ladepunkte betrachtet, kann daher zu einer unzutreffenden Einschätzung der verfügbaren Reserven führen.
Für große Wohnimmobilien empfiehlt es sich, diese Informationen in einem übergeordneten Umsetzungskonzept zusammenzuführen. Es sollte dokumentiert sein, welche Anschlussleistung vorhanden ist, welche Ladeleistung installiert werden soll, wie die maximale Gesamtlast bewertet wurde und welche Rolle das Lastmanagement übernimmt. Auf diese Weise entsteht eine nachvollziehbare Grundlage für die technische Umsetzung und spätere Erweiterungen.
Gleichzeitigkeitsfaktor und elektrische Anschlussleistung
Die elektrische Anschlussleistung ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Planung einer Ladeinfrastruktur. Sie bestimmt gemeinsam mit der vorhandenen Gebäudelast und den technischen Bedingungen, welche zusätzliche Leistung am Standort zur Verfügung gestellt werden kann. Der Gleichzeitigkeitsfaktor unterstützt die Bewertung des möglichen Leistungsbedarfs, darf jedoch nicht unabhängig von diesen Rahmenbedingungen betrachtet werden.
Eine Immobilie kann über zahlreiche Stellplätze und eine entsprechend hohe Zahl geplanter Ladepunkte verfügen, während der vorhandene Netzanschluss ursprünglich auf den allgemeinen Strombedarf des Gebäudes ausgelegt wurde. In diesem Fall muss untersucht werden, ob ausreichende Leistungsreserven bestehen oder ob technische Anpassungen notwendig werden. Die Beurteilung erfordert Informationen über den Netzanschluss, die elektrische Verteilung, vorhandene Lasten und gegebenenfalls bereits vereinbarte Leistungsgrenzen.
Nehmen wir an, eine Wohnanlage verfügt über 80 geplante Ladepunkte mit jeweils elf Kilowatt maximaler Ladeleistung. Die theoretische Gesamtleistung beträgt in diesem Fall 880 Kilowatt. Dieser Wert ist für die Einordnung der installierten Ladeleistung relevant, stellt aber allein noch keine vollständige Aussage über die notwendige Anschlussleistung dar. Dazu muss geprüft werden, welche Last gleichzeitig zu erwarten ist, welche Begrenzungen technisch vorgesehen sind und welche Leistung das Gebäude außerhalb der Ladeinfrastruktur benötigt.
Wenn ein Lastmanagement die Ladeleistung auf eine definierte Gesamtgrenze begrenzt, kann die Anlage innerhalb dieser Grenze betrieben werden, auch wenn die Summe der maximalen Einzelleistungen deutlich höher liegt. Voraussetzung dafür ist, dass die Regelung technisch geeignet ausgelegt ist und die Begrenzung zuverlässig berücksichtigt wird. Zudem müssen die übrigen elektrischen Verbraucher in der Gesamtbetrachtung einbezogen werden.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Frage, ob die Ladeleistung bei steigender Gebäudelast angepasst werden soll. In einem dynamischen System kann die für das Laden verfügbare Leistung beispielsweise reduziert werden, wenn andere Verbraucher im Gebäude mehr Leistung benötigen. Sinkt die Gebäudelast wieder, kann mehr Leistung für die angeschlossenen Fahrzeuge verfügbar werden. Ob eine solche Regelung umgesetzt werden kann, hängt von der technischen Ausstattung, der Messung und der Steuerung der beteiligten Systeme ab.
Auch die Netzanschlussbedingungen müssen geprüft werden. Je nach Projekt können eine Abstimmung mit dem Netzbetreiber, Anpassungen an Verteilungen oder weitere technische Maßnahmen erforderlich sein. Die konkrete Lösung ergibt sich aus der vorhandenen Anlage und dem geplanten Ausbauumfang.
Der Gleichzeitigkeitsfaktor darf daher nicht dazu verwendet werden, die elektrische Infrastruktur pauschal kleiner zu dimensionieren. Er unterstützt die Einschätzung der gleichzeitig auftretenden Last, während die fachgerechte Bemessung sicherstellen muss, dass alle relevanten Betriebszustände und Sicherheitsanforderungen berücksichtigt werden. Insbesondere müssen Schutzorgane, Leitungen, Verteilungen und weitere elektrische Komponenten passend zur geplanten Anlage ausgelegt sein.
Für Eigentümer und Hausverwaltungen ist es deshalb sinnvoll, die Anschlussleistung frühzeitig im Projekt zu prüfen. So können mögliche Einschränkungen rechtzeitig erkannt und verschiedene Ausbauvarianten miteinander verglichen werden. Dies schafft eine bessere Grundlage für Investitionsentscheidungen und verhindert, dass die Ladeinfrastruktur erst nach der Installation an wesentliche technische Grenzen stößt.
Welche Rolle spielt das Ladeverhalten der Nutzer?
Das Ladeverhalten der Bewohner beeinflusst maßgeblich, wie stark sich die Leistungsanforderungen verschiedener Ladepunkte zeitlich überschneiden. Bei großen Wohnanlagen ist es deshalb sinnvoll, nicht nur die Zahl der Fahrzeuge zu betrachten, sondern auch zu untersuchen, wann die Fahrzeuge angeschlossen werden, wie lange sie am Stellplatz stehen und welche Energiemengen regelmäßig benötigt werden.
In vielen Wohnimmobilien stehen Fahrzeuge über längere Zeiträume am selben Stellplatz. Bewohner können ihre Fahrzeuge beispielsweise am Abend anschließen und erst am nächsten Morgen wieder nutzen. Dadurch entsteht ein längeres Ladefenster, innerhalb dessen die benötigte Energiemenge bereitgestellt werden kann. Die Ladeleistung muss in solchen Fällen nicht zwangsläufig über den gesamten Zeitraum konstant auf ihrem Maximum liegen.
Allerdings ist das Nutzungsverhalten nicht bei allen Bewohnern identisch. Manche Fahrzeuge werden täglich für längere Strecken verwendet, andere nur gelegentlich. Einige Nutzer kommen früh am Nachmittag nach Hause, während andere erst spät am Abend zurückkehren. Bei Wohnanlagen mit unterschiedlichen Nutzergruppen können sich deshalb verschiedene Ladeprofile ergeben.
Für die Planung ist die benötigte Energiemenge oft ebenso wichtig wie die maximale Ladeleistung. Ein Fahrzeug, das über viele Stunden angeschlossen bleibt und nur eine vergleichsweise geringe Energiemenge benötigt, stellt andere Anforderungen an die zeitliche Verteilung als ein Fahrzeug, das nur für kurze Zeit zur Verfügung steht und möglichst viel Energie aufnehmen muss.
Die Standzeit allein reicht allerdings nicht aus, um den Ladebedarf zuverlässig zu bestimmen. Es muss auch berücksichtigt werden, wann das Fahrzeug wieder benötigt wird und welcher Ladezustand bis dahin erreicht werden soll. Eine intelligente Steuerung kann diese Anforderungen unterstützen, sofern das System entsprechende Informationen erhält und die technischen Voraussetzungen gegeben sind.
Bei einer größeren Wohnanlage kann eine Bedarfserhebung helfen, typische Nutzungsmuster besser einzuschätzen. Hausverwaltungen können beispielsweise die Zahl konkreter Ladeanfragen erfassen und Informationen darüber sammeln, ob Bewohner ihre Fahrzeuge überwiegend nachts oder tagsüber laden möchten. Dabei sollten nur die für die Planung notwendigen Informationen erhoben und Datenschutzanforderungen beachtet werden.
Wenn bereits eine Ladeinfrastruktur vorhanden ist, können anonymisierte oder aggregierte Betriebsdaten zusätzliche Erkenntnisse liefern. Sie ermöglichen eine Bewertung der tatsächlichen Gesamtlast und zeigen, wann besonders hohe Leistungsanforderungen auftreten. Bei der Interpretation muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Nutzungsverhalten mit zunehmender Verbreitung der Elektromobilität anders aussehen kann als in einer frühen Ausbauphase.
Ein belastbares Konzept sollte daher nicht allein auf den gegenwärtigen Durchschnittswerten beruhen. Vielmehr ist zu prüfen, welche Nutzungssituationen für die Dimensionierung relevant sind und wie die Anlage auf eine steigende Nachfrage reagieren kann. Dadurch lassen sich Ladepunkte, elektrische Leistung und technische Steuerung besser auf die Anforderungen der Bewohner abstimmen.
Lastmanagement und Gleichzeitigkeitsfaktor zusammendenken
Ein intelligentes Lastmanagement ist bei großen Ladeinfrastrukturen ein wichtiges Instrument, um die verfügbare elektrische Leistung kontrolliert auf mehrere Ladepunkte zu verteilen. Während der Gleichzeitigkeitsfaktor beschreibt, wie stark sich die Leistungsanforderungen zeitlich überschneiden, beeinflusst das Lastmanagement aktiv, wie viel Leistung den einzelnen Ladepunkten unter den jeweiligen Betriebsbedingungen zugeteilt wird.
Ohne eine gemeinsame Steuerung können mehrere Ladepunkte grundsätzlich gleichzeitig ihre jeweils verfügbare maximale Leistung anfordern. Ob diese Leistung tatsächlich vollständig abgerufen werden kann, hängt von der übrigen Anlage und den technischen Begrenzungen ab. Wenn die Summe der möglichen Ladeleistungen die verfügbare Kapazität übersteigt, muss deshalb ein geeignetes technisches Konzept festlegen, wie die Ladeprozesse koordiniert werden.
Ein Lastmanagement überwacht beziehungsweise berücksichtigt die für das Ladesystem verfügbare Leistung und verteilt diese entsprechend den festgelegten Regeln. Je nach System kann die Leistung gleichmäßig auf aktive Ladevorgänge aufgeteilt oder anhand bestimmter Prioritäten zugewiesen werden. Auch die Berücksichtigung des aktuellen Gebäudeenergieverbrauchs ist möglich, sofern die dafür notwendigen Mess- und Kommunikationssysteme vorhanden sind.
Beim dynamischen Lastmanagement kann die Ladeleistung an veränderte Bedingungen angepasst werden. Wenn beispielsweise der Strombedarf anderer Gebäudetechnik steigt, kann die verfügbare Leistung für die Ladeinfrastruktur reduziert werden. Sinkt die übrige Last, kann die Ladeleistung wieder erhöht werden. Dadurch wird die vorhandene elektrische Kapazität innerhalb der vorgesehenen Grenzen flexibler genutzt.
Für die Bewohner ist entscheidend, dass die Steuerung nicht nur die elektrische Leistungsgrenze einhält, sondern auch einen praktikablen Ladebetrieb ermöglicht. Die Verteilung der Leistung muss daher zum Nutzungsprofil der Immobilie passen. Bei Fahrzeugen mit langen Standzeiten kann die Leistung häufig flexibler verteilt werden als bei Fahrzeugen, die nur für einen kurzen Zeitraum angeschlossen sind.
Ein Lastmanagement ersetzt jedoch nicht die fachgerechte Dimensionierung der Elektroinstallation. Leitungen, Schutzorgane, Verteilungen und weitere Komponenten müssen für die vorgesehenen Betriebsbedingungen geeignet sein. Ebenso muss das Gesamtsystem so geplant werden, dass die zulässigen Grenzen eingehalten werden, auch wenn sich die Zahl der angeschlossenen Fahrzeuge verändert.
Der Zusammenhang mit dem Gleichzeitigkeitsfaktor sollte deshalb in beide Richtungen betrachtet werden. Einerseits hilft die Einschätzung der zu erwartenden Gleichzeitigkeit dabei, den Leistungsbedarf zu bewerten. Andererseits ermöglicht ein technisch geeignetes Lastmanagement, die tatsächlich zugelassene Gesamtlast aktiv zu begrenzen und die Leistung bedarfsgerecht zu verteilen. Die erwartete Nutzung und die technisch gesicherte Leistungsbegrenzung sind dabei unterschiedliche Aspekte und müssen in der Planung klar getrennt werden.
Bei großen Tiefgaragen und Wohnanlagen kann die Verbindung aus Lastmanagement und vorausschauender Infrastrukturplanung besonders sinnvoll sein. Wenn die Zahl der Ladepunkte schrittweise wächst, sollte die Steuerung bereits für den vorgesehenen Ausbau geeignet sein oder sich ohne grundlegende Neuplanung erweitern lassen. Dadurch können Eigentümer und Hausverwaltungen die Ladeinfrastruktur an die tatsächliche Nachfrage anpassen und gleichzeitig die elektrischen Rahmenbedingungen des Gebäudes berücksichtigen.
Beispiel: Viele Ladepunkte in einer Wohnanlage
Wie sich der Gleichzeitigkeitsfaktor auf die Planung auswirkt, lässt sich anhand einer beispielhaften Wohnanlage mit 100 Stellplätzen verdeutlichen. Angenommen, für die Immobilie ist vorgesehen, langfristig 100 Ladepunkte mit jeweils elf Kilowatt maximaler Ladeleistung zu ermöglichen. Die theoretische Summe der maximalen Ladeleistungen beträgt in diesem Fall 1.100 Kilowatt.
Diese Zahl beschreibt die installierbare beziehungsweise geplante Gesamtleistung der Ladepunkte, sofern jeder Ladepunkt mit elf Kilowatt betrieben werden kann. Sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass im Alltag ständig 1.100 Kilowatt für die Fahrzeuge benötigt werden. Die tatsächliche Last hängt davon ab, wie viele Fahrzeuge gleichzeitig laden, welche Ladeleistung sie jeweils aufnehmen und wie lange sie angeschlossen bleiben.
Zur Veranschaulichung kann ein rein rechnerisches Szenario verwendet werden: Würde die gleichzeitige Last einer betrachteten Ladepunktgruppe in einem bestimmten Betriebszustand 40 Prozent ihrer summierten maximalen Einzelleistungen betragen, entspräche das bei 1.100 Kilowatt rechnerisch 440 Kilowatt. Der Faktor von 0,4 ist hier ausschließlich ein frei gewähltes Rechenbeispiel und keine allgemeine Empfehlung oder ein normativer Bemessungswert für Wohnanlagen.
Aus diesem Beispiel lässt sich nicht unmittelbar ableiten, dass für die Immobilie eine Anschlussleistung von 440 Kilowatt ausreicht. Zunächst müsste geklärt werden, ob der angenommene Faktor für das konkrete Nutzungsprofil plausibel ist und ob die betrachtete Leistung tatsächlich durch eine technische Regelung begrenzt wird. Ohne eine solche Begrenzung kann die tatsächliche Last in bestimmten Situationen höher ausfallen.
Zusätzlich muss die übrige Gebäudelast einbezogen werden. Die Wohnungen, Aufzüge, Beleuchtung und technischen Anlagen benötigen ebenfalls Strom. Wenn die Ladeinfrastruktur dynamisch geregelt wird, muss außerdem festgelegt werden, welche Leistung unter Berücksichtigung des aktuellen Gebäudeenergieverbrauchs für das Laden zur Verfügung steht.
Angenommen, die Immobilie soll zunächst nur 25 betriebsbereite Ladepunkte erhalten, während weitere Stellplätze für eine spätere Erweiterung vorbereitet werden. Dann muss das Konzept sowohl den anfänglichen Bedarf als auch die langfristige Zielstruktur berücksichtigen. Die technische Planung sollte untersuchen, wie die vorhandene Anschlusskapazität genutzt werden kann, welche Vorbereitungen für weitere Ladepunkte sinnvoll sind und wie sich das Lastmanagement bei einem wachsenden Ausbauumfang verhält.
Die konkrete Auslegung kann je nach Immobilie erheblich variieren. Bei einem Gebäude mit ausreichenden Leistungsreserven und langen nächtlichen Standzeiten können andere Lösungen sinnvoll sein als bei einer Anlage mit begrenztem Netzanschluss und vielen Fahrzeugen, die innerhalb kurzer Zeit geladen werden müssen.
Das Beispiel zeigt, warum die Zahl der Ladepunkte allein keine ausreichende Grundlage für die Dimensionierung ist. Erst die Verbindung aus installierter Leistung, erwarteter Gleichzeitigkeit, Gebäudeenergieverbrauch und technischer Leistungssteuerung ermöglicht eine fundierte Bewertung. Für ein reales Projekt müssen die zugrunde liegenden Annahmen anhand der tatsächlichen Gebäudesituation geprüft und fachlich bestätigt werden.
Warum eine individuelle Berechnung wichtiger ist als pauschale Werte
Der Gleichzeitigkeitsfaktor Elektromobilität ist eine hilfreiche Planungsgröße, aber kein universeller Wert, der sich auf jede Wohnimmobilie übertragen lässt. Die Anforderungen einer kleinen Wohnanlage unterscheiden sich von denen einer großen Tiefgarage mit mehreren hundert Stellplätzen. Selbst bei zwei Gebäuden mit einer vergleichbaren Anzahl von Ladepunkten können die tatsächlichen Leistungsanforderungen deutlich voneinander abweichen.
Entscheidend ist zunächst das Nutzungsprofil. Wenn viele Fahrzeuge über Nacht angeschlossen bleiben, können sich die Ladeprozesse möglicherweise über einen längeren Zeitraum verteilen. Bei kürzeren Standzeiten oder einem hohen Energiebedarf innerhalb eines begrenzten Zeitfensters kann dagegen eine höhere Leistung erforderlich sein. Die Zahl der Fahrzeuge, ihre Ladegewohnheiten und die benötigten Energiemengen beeinflussen daher, welche Annahmen für die Berechnung sinnvoll sind.
Ebenso wichtig sind die technischen Bedingungen. Die maximale Leistung der einzelnen Ladepunkte, die Struktur der elektrischen Verteilung, die vorhandene Anschlusskapazität und die übrigen Verbraucher des Gebäudes müssen gemeinsam betrachtet werden. Wenn ein Lastmanagement vorgesehen ist, muss außerdem klar sein, welche Gesamtleistungsgrenze technisch eingehalten werden soll und wie das System auf veränderte Betriebsbedingungen reagiert.
Pauschale Aussagen wie „Bei einer bestimmten Anzahl von Wallboxen reicht immer eine bestimmte Anschlussleistung aus“ sind deshalb für die Projektplanung ungeeignet. Sie können wesentliche Unterschiede zwischen Gebäuden übersehen und zu einer unzureichenden oder unnötig aufwendigen Auslegung führen. Stattdessen sollte die Planung auf nachvollziehbaren Berechnungen, realistischen Szenarien und den maßgeblichen technischen Anforderungen beruhen.
Für Eigentümer, Hausverwaltungen und Wohnungseigentümergemeinschaften empfiehlt es sich, die Ladeinfrastruktur als langfristiges Projekt zu betrachten. Dazu gehört, den aktuellen Bedarf zu ermitteln, mögliche Ausbauphasen festzulegen und die technischen Voraussetzungen für eine spätere Erweiterung zu prüfen. Die Ladepunktdichte, der Gleichzeitigkeitsfaktor und die verfügbare Anschlussleistung müssen dabei aufeinander abgestimmt werden.
Auch die Wirtschaftlichkeit sollte nicht ausschließlich anhand der anfänglichen Installationskosten bewertet werden. Eine Lösung, die kurzfristig günstig erscheint, kann bei späteren Erweiterungen zusätzlichen Aufwand verursachen. Umgekehrt muss nicht jeder Stellplatz sofort mit einer betriebsbereiten Wallbox ausgestattet werden, wenn eine schrittweise Umsetzung besser zum tatsächlichen Bedarf passt. Entscheidend ist, dass die technische Infrastruktur die geplante Entwicklung unterstützt.
Mögliche Fördermittel können ebenfalls in die Investitionsplanung einfließen. Dabei müssen die jeweils geltenden Förderbedingungen, Fristen, Anforderungen an die Antragsteller und förderfähigen Maßnahmen geprüft werden. Eine Förderung sollte erst dann als gesichert betrachtet werden, wenn die erforderliche Bewilligung vorliegt. Die Förderprüfung ist deshalb ein eigener Bestandteil der Projektplanung und ersetzt nicht die technische Bewertung.
WallboxNow begleitet Projekte für große Wohnimmobilien, bei denen Ladeinfrastruktur für zahlreiche Stellplätze geplant, technisch bewertet und umgesetzt werden soll. Eine objektbezogene Analyse schafft die Grundlage, um die vorhandene elektrische Infrastruktur, den erwarteten Leistungsbedarf und die Möglichkeiten eines intelligenten Lastmanagements zusammenzuführen. Daraus kann ein Umsetzungskonzept entstehen, das die aktuelle Nutzung berücksichtigt und eine geordnete Erweiterung ermöglicht.
Wer den Gleichzeitigkeitsfaktor bei einem Ladeprojekt richtig einordnet, erhält damit eine bessere Grundlage für die Planung der Anschlussleistung. Entscheidend ist nicht, einen möglichst niedrigen Faktor anzusetzen, sondern die tatsächlichen Betriebsbedingungen realistisch zu bewerten und die erforderliche Leistung technisch zuverlässig bereitzustellen.
Für eine zukunftsfähige Wohnimmobilie müssen deshalb die Anzahl der Ladepunkte, der gleichzeitige Leistungsabruf, der übrige Stromverbrauch und die langfristige Ausbauplanung gemeinsam betrachtet werden. Auf dieser Grundlage lässt sich eine Ladeinfrastruktur entwickeln, die den Anforderungen der Bewohner entspricht, die vorhandenen Ressourcen sinnvoll nutzt und auch bei steigender Nachfrage zuverlässig betrieben werden kann.
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Sie planen Ladepunkte für eine große Wohnanlage, eine Tiefgarage oder ein Mehrfamilienhaus mit zahlreichen Stellplätzen? WallboxNow unterstützt Sie dabei, den Bedarf zu bewerten, die technischen Voraussetzungen zu prüfen und ein passendes Konzept für die schrittweise oder umfassende Umsetzung zu entwickeln. Auch mögliche Fördermöglichkeiten und die langfristige Erweiterbarkeit können in die Projektbetrachtung einbezogen werden. Kontaktieren Sie WallboxNow für eine erste Einschätzung Ihres Ladeinfrastrukturprojekts.

















































